Rückblick: 365 KI & Wirtschaftsforum 2026 – innovative KI-Lösungen im Reality-Check

Am 28. und 29. April fand das 365 KI & Wirtschaftsforum in Stuttgart statt. Themenschwerpunkt der Veranstaltung waren praktische Einsatzmöglichkeiten von KI und neueste Entwicklungen rund um Agenten. Dabei steuerten Unternehmen wie Festo, EnBW und die Mediengruppe Pressedruck spannende Projektbeispiele aus Mittelstand und Industrie bei.

Dr. Andreas Stiehler, IT-Marktanalyst und Berater Digital Workplace & Modern Work

Workplace im Wandel

Zu Beginn stellte der IT-Marktanalyst Andreas Stiehler seine Perspektive auf den KI-orientierten Arbeitsplatz der Zukunft vor. Seine Kernthese lautete, dass Copilot und Co. KI den Workplace neue definieren und damit neue Strategien in IT und Organisation erfordern.

„Ein Der Denkfehler beim KI-Einsatz ist, dass KI ausrollbar ist wie klassische IT“, so Stiehler. Stattdessen müssen Organisationen auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren, um die Einführung der KI-Werkzeuge erfolgreich zu gestalten.

Seine drei Kernbotschaften lauten: Befähigung statt Rollout, Arbeitsumgebung statt Einzellösung und Steuerung statt Wildwuchs.

KI als Modernisierungschance für die Medienbranche

Peter Graf: M365 Platform Manager & KI-Enabler

Im Anschluss präsentierte Peter Graf von der Mediengruppe Pressedruck, wie die KI einem traditionellen Medienunternehmen zum Sprung in ein neues Zeitalter verhilft. Ausgangspunkt war auch beim Stammhaus der Augsburger Allgemeinen der branchentypische Druck aus den strukturellen Veränderungen, so der M365-Plattform-Manager und KI-Enabler.

„Content-Produktion und -Verwaltung sind aufwändig, und die Erwartungen der Konsumenten an Qualität des Angebots sind groß. Gleichzeitig sind die Arbeitsaufwände hoch und Personal knapp.“ Um adäquat zu reagieren und bei den Strukturen anzusetzen, setzte der Verlag auf eine umfassende KI-Strategie. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Agentenlösungen auf Basis von Microsoft Copilot.

Am Beispiel der Automatisierung klassischer redaktioneller Produktionsabläufe zeigte Graf, wie bereits deutliche Effizienzsteigerungen erzielt werden konnten.

Festo: KI-Zukunft mit Copilot, Agents und Business-Plattform

Sandra Schädle, Festo: Leader Collaboration, Digital

Wie sich ein großer, international tätiger Mittelständler als KI-Player neu aufstellt, erklärte Sandra Schädle vom Automatisierungsspezialisten Festo. Sie schilderte die Bandbreite an Initiativen, die am digitalen Arbeitsplatz beginnen in Form von Assistenzsysteme auf Basis von Microsoft Copilot.

Wenn es um die Unterstützung komplexe Prozesser und Entscheidungen geht, kommen Agenten zum Einsatz. Das alles findet sich eingebettet in einer unternehmensweiten Strategie, in der eine strategische Festo-KI-Plattform den Rahmen für unternehmensspezifische KI-Umgebungen definiert.

EnBW: Workation mit Agenten automatisieren

Dario Katic, EnBW: Low Code Platform Solution Architect 

Die Modernisierung eines typischen Konzern-Prozesses stand im Mittelpunkt des Agenten-Projekts von Dario Katic bei EnBW. Ziel war die Optimierung des Workation-Angebots, das den Mitarbeitern eine Mischform aus Arbeit und Urlaub ermöglicht. Das attraktive Programm wird gerne genutzt, erzeugte allerdings administrativ bisher enorme Aufwände.

Mit Hilfe von Agenten gelang es dem Team von Katic, die bisher auf E-Mail und App basierenden Genehmigungs- und Orga-Workflows vollständig zu automatisieren. Mit einem beindruckenden Resultat: Dauerten früher Genehmigungen meist mehrere Wochen, so lassen sich Anträge heute innerhalb einer Stunde erledigen.

Macht KI die IT-Abteilung überflüsssig?

„Benötigen wir unsere IT-Abteilungen noch“ – mit dieser provokanten Frage betitelte Prof. Tobias Jordine seinen Vortrag. Als Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) erlebt er den rapiden Wandel durch KI in Forschung und Lehre hautnah. Und hat vor diesem Hintergrund Szenarien dargestellt, welche Folgen das für die IT hat, und wie sie darauf reagieren kann. Spoiler: Auch zukünftig wird es die IT-Organisationen noch geben, aber ihre Aufgaben werden sich stark verändern.

Governance als Rahmen für planbare und sichere KI-Nutzung

Wenn jeder KI-Tools im Arbeitsalltag nutzt, stellt das Unternehmen vor große Herausforderungen. Sind die geschäftlichen Daten sicher, werden nur zugelassene Chat-Bots verwendet, und wie lässt sich das alles überwachen und orchestrieren? Maximilian Götz vom Tool-Anbieter Rencore liefert dazu praktische Anwendungsbeispiele, wie Organisationen Governance im KI-Umfeld entwickeln und durchsetzen können.

Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenarbeit mit Teams

Welche Auswirkungen künstliche Intelligenz auf unser Zusammenarbeit und Kommunikation hat, war das Thema von Natalie Jeschner von Fokus 32. Sie skizzierte praktische Einsatzszenarien mit Microsoft Teams,  um Mehrwerte des KI-Einsatzes wie auch dessen Grenzen aufzuzeigen.

Multiprojekt-Management – nicht nur auf KI fokussieren

Projekte in großem Stil managen, das war das Thema des Vortrags von Stefan Schwärzler von Senzavi. Sein Aufhänger war ein falsches KI-Verständnis im Projektmanagement, das Produktivität auf Tool-Ebene verspricht, aber den Überblick über laufende Projekte, Ressoucen und Budgets im größeren Kontext vermissen lässt. Seine Botschaft: Multiprojektmanagement sollte Transparenz auf übergeordneter Ebene liefern, um insbesondere Führungskräften Daten und Sichten über Aufwände und Wirtschaftlichkeit zu liefern.